Wichtige Spurenelemente für Zuchtstuten erklärt

Wichtige Spurenelemente für Zuchtstuten erklärt

Der Decktermin steht fest, die Trächtigkeit ist bestätigt oder das Fohlen soll in wenigen Wochen geboren werden - jetzt bekommt die tägliche Ration eine besondere Bedeutung. Wichtige Spurenelemente für Zuchtstuten liefern zwar keine Energie, sind aber für zahlreiche Stoffwechselprozesse unverzichtbar. Gerade bei gut genährten Stuten wird ihr Stellenwert leicht unterschätzt: Eine Ration kann ausreichend Heu, Eiweiß und Energie enthalten und dennoch bei einzelnen Mikronährstoffen Lücken aufweisen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Mineralprodukte zu kombinieren. Ziel ist eine bedarfsgerechte, nachvollziehbare Versorgung, die Raufutterqualität, Haltungsform, Trächtigkeitsphase und bereits eingesetzte Futtermittel berücksichtigt. So wird aus Ergänzungsfütterung keine Vermutung, sondern ein sinnvoller Teil der Gesundheitsvorsorge.

Warum Spurenelemente in der Zucht besonders zählen

Spurenelemente werden nur in kleinen Mengen benötigt. Ihre Aufgaben sind deshalb nicht klein: Sie wirken unter anderem als Bestandteile von Enzymen, sind am Zellschutz beteiligt und beeinflussen die Bildung von Gewebe, Hormonen und Blut. Für die Zuchtstute betrifft das die Vorbereitung auf die Belegung ebenso wie die Entwicklung der Plazenta, das Wachstum des ungeborenen Fohlens und die Milchleistung nach der Geburt.

Der Bedarf ist nicht über die gesamte Zuchtperiode gleich. In der frühen Trächtigkeit wächst das Fohlen zunächst vergleichsweise langsam. Im letzten Trächtigkeitsdrittel nimmt die Gewichtszunahme des Fötus dagegen deutlich zu. Gleichzeitig bereitet sich die Stute auf die Laktation vor. Eine Versorgung, die über Monate nur gerade eben ausreicht, bietet in dieser Phase wenig Reserve.

Entscheidend ist zudem nicht allein, was auf dem Futtersack steht. Relevant ist, was tatsächlich im Trog landet und vom Pferd verwertet werden kann. Heu, Weidegras, Kraftfutter, Mineralfutter, Kräuterprodukte und Leckerlis können sich sinnvoll ergänzen - oder unbemerkt zu Doppelversorgungen führen.

Wichtige Spurenelemente für Zuchtstuten im Überblick

Zink: für Haut, Hufe und Zellteilung

Zink ist an einer Vielzahl enzymatischer Prozesse beteiligt. Es spielt eine Rolle für Haut und Hufhorn, die Immunfunktion sowie die Zellteilung. Gerade Letztere ist in der Trächtigkeit von besonderer Bedeutung, weil sich Gewebe beim Fohlen kontinuierlich neu bildet.

Ein matter Fellwechsel, eine nachlassende Hornqualität oder eine unausgewogene Ration können Anlass sein, die Gesamtversorgung genauer anzusehen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein isolierter Zinkzusatz. Zink steht in Wechselwirkung mit anderen Mineralstoffen, insbesondere mit Kupfer. Eine einseitig hohe Gabe kann das Verhältnis verschieben und die Kupferverwertung beeinträchtigen.

Kupfer: klein dosiert, zentral für die Entwicklung

Kupfer wird für den Eisenstoffwechsel, die Pigmentbildung und die Bildung von Bindegewebsstrukturen benötigt. In der Zuchtfütterung rückt es besonders mit Blick auf die Skelett- und Knorpelentwicklung des Fohlens in den Fokus. Die Versorgung der Stute beeinflusst dabei auch die Nährstoffreserven, mit denen das Fohlen ins Leben startet.

Kupfer sollte stets im Zusammenhang mit Zink betrachtet werden. Ein Produkt kann auf den ersten Blick viel Zink enthalten und dennoch nicht passend sein, wenn Kupfer in Relation dazu zu knapp bleibt. Auch hohe Gehalte an Molybdän oder Schwefel in der Gesamtration können die Kupferverfügbarkeit beeinflussen. Deshalb ist eine durchdachte Mineralmischung meist sinnvoller als das Sammeln einzelner Präparate.

Selen: Schutz vor oxidativem Stress - mit engem Spielraum

Selen unterstützt antioxidative Schutzsysteme im Körper und arbeitet dabei eng mit Vitamin E zusammen. Für Zuchtstuten ist dieser Zusammenhang relevant, weil Trächtigkeit, Geburt und Laktation Stoffwechselphasen mit erhöhten Anforderungen darstellen können.

Selen verdient aber besondere Sorgfalt. Zwischen einer zu niedrigen und einer zu hohen Aufnahme liegt ein vergleichsweise enger Bereich. In manchen Regionen ist das Grundfutter selenarm, in anderen Rationen kommen mehrere selenhaltige Komponenten zusammen. Wer Mineralfutter, Zuchtfutter und zusätzliche Spezialprodukte kombiniert, sollte die Tagesmenge deshalb konsequent zusammenrechnen. Mehr ist bei Selen nicht besser.

Jod: wichtig für die Schilddrüsenfunktion

Jod wird für Schilddrüsenhormone benötigt, die viele Stoffwechselvorgänge steuern. Auch in der Trächtigkeit ist eine angemessene Versorgung wichtig. Gleichzeitig zählt Jod zu den Spurenelementen, bei denen ungezielte Ergänzungen problematisch werden können.

Besonders bei Algenprodukten ist Vorsicht angebracht: Ihr Jodgehalt kann stark schwanken. Sie sind nicht automatisch eine sanfte, natürliche Alternative zu einem klar deklarierten Mineralfutter. Für Zuchtstuten ist eine berechenbare, zur Gesamtration passende Jodzufuhr die verlässlichere Lösung.

Mangan: beteiligt an Knochen und Stoffwechsel

Mangan ist an Enzymfunktionen sowie am Aufbau von Knochen und Bindegewebe beteiligt. Es wird häufig weniger beachtet als Zink oder Selen, gehört in einer ausgewogenen Zuchtration aber ebenso auf den Prüfstand. Vor allem bei sehr heulastiger Fütterung ohne passendes Mineralfutter kann die Versorgung vom Standort und von der Grundfutterqualität abhängen.

Mangan sollte nicht als Einzelbaustelle betrachtet werden. Für die Entwicklung eines stabilen Skeletts braucht der Organismus ein Zusammenspiel aus Energie, hochwertigem Protein, Calcium, Phosphor, Vitamin D und mehreren Spurenelementen. Eine einzelne hohe Gabe kann eine lückenhafte Ration nicht ausgleichen.

Eisen ist selten das fehlende Puzzleteil

Eisen wird oft vorschnell ergänzt, etwa wenn eine Stute müde oder weniger leistungsbereit wirkt. Tatsächlich liefern Heu, Weide und viele handelsübliche Futtermittel häufig bereits reichlich Eisen. Ein zusätzlicher Eisenbedarf lässt sich nicht zuverlässig am Eindruck im Stall festmachen.

Eine hohe Eisenaufnahme kann zudem mit der Verwertung anderer Spurenelemente konkurrieren. Bei Verdacht auf eine gesundheitliche Ursache gehören eine tierärztliche Untersuchung und gegebenenfalls gezielte Diagnostik vor die Futterdose. Für die tägliche Rationsplanung ist es meist sinnvoller, zunächst Zink, Kupfer, Selen und die Qualität des Grundfutters zu prüfen.

Die Versorgung verändert sich mit der Zuchtphase

Vor der Belegung sollte die Stute weder übergewichtig noch mangelernährt sein. Eine ruhige, konstante Grundversorgung mit hochwertigem Raufutter und einem passend dosierten Mineralfutter schafft die bessere Ausgangslage als kurzfristige Aufwertungen kurz vor dem Decktermin.

In den ersten Monaten der Trächtigkeit bleibt der Energiebedarf oft nahe am Erhaltungsbedarf. Das ist kein Grund, die Mikronährstoffversorgung zu vernachlässigen. Gerade weil Stuten in dieser Zeit äußerlich häufig unverändert wirken, werden Mineralfutter und Ergänzungen manchmal reduziert oder vergessen.

Im letzten Drittel der Trächtigkeit und während der Laktation lohnt sich eine erneute Rationskontrolle. Mehr Bedarf bedeutet jedoch nicht zwangsläufig mehr von allem. Bei einem Wechsel zu Zuchtfutter oder einer höheren Kraftfuttermenge können sich bereits relevante Mengen an Spurenelementen addieren. Die passende Lösung hängt davon ab, ob die Stute überwiegend Heu erhält, wie viel Weide sie nutzt, ob sie konzentriertes Futter frisst und welche Produkte bereits eingesetzt werden.

So prüfen Sie die Ration ohne Rätselraten

Der beste Start ist eine ehrliche Bestandsaufnahme über mehrere Wochen, nicht nur über einen einzelnen Futtertag. Notieren Sie Raufuttermenge, Weidezeit, Kraftfutter, Mineralfutter, Mash, Leckerlis und alle Ergänzungen inklusive Dosierung. Anschließend lassen sich die Angaben auf die tägliche Aufnahme beziehen.

Eine Heuanalyse schafft besonders bei Zuchtstuten wertvolle Klarheit. Sie zeigt nicht nur Energie- und Proteingehalte, sondern kann - je nach Untersuchung - auch Hinweise auf Mineralstoffgehalte liefern. Weidegras bleibt trotz Analyse ein variabler Faktor, denn Pflanzenbestand, Boden, Saison und Wetter beeinflussen die Nährstoffaufnahme.

Lesen Sie Deklarationen mit Blick auf die tatsächliche Tagesportion. Ein hoher Gehalt pro Kilogramm sagt wenig aus, wenn nur eine kleine Menge gefüttert wird. Umgekehrt können mehrere gering dosierte Produkte zusammen zu viel Selen oder Jod liefern. Bei komplexen Rationen, auffälliger Körperentwicklung oder gesundheitlichen Fragen ist eine individuelle Fütterungsberatung in Abstimmung mit der Tierarztpraxis sinnvoll.

Woran eine Überprüfung besonders sinnvoll ist

Eine Rationsanalyse ist nicht erst dann angebracht, wenn sichtbare Probleme auftreten. Sinnvoll ist sie bei Wechsel des Heulieferanten, Umzug in einen anderen Stall, Beginn oder Ende der Weidesaison, Umstellung auf Zuchtfutter sowie vor der Belegung und im letzten Trächtigkeitsdrittel. Auch bei schlechter Hufqualität, auffälligem Fellwechsel, wiederkehrenden Verdauungsauffälligkeiten oder einer Stute, die Körpergewicht unerwartet verliert oder zunimmt, lohnt sich der genaue Blick auf die Gesamtfütterung.

Solche Beobachtungen sind keine eindeutigen Mangelzeichen. Sie können viele Ursachen haben - von Haltung und Parasitenmanagement bis zu Zahnproblemen oder Erkrankungen. Genau deshalb schützt eine strukturierte Prüfung davor, auf Verdacht einzelne Nährstoffe hoch zu dosieren.

Eine Zuchtstute trägt nicht nur Verantwortung für ihren eigenen Stoffwechsel, sondern legt mit jeder Futterration auch einen Teil der Grundlage für ihr Fohlen. Wer Raufutter, Zuchtphase und Spurenelemente regelmäßig gemeinsam bewertet, füttert nicht komplizierter - sondern klarer und mit mehr Sicherheit.

Back to blog