Ein Pferd, das sein Heu in langen Pausen erwartet, das Kraftfutter hastig frisst oder im Training auffällig empfindlich wirkt, sendet oft leise Signale. Pferd magenfreundlich füttern lernen heißt deshalb nicht, ein einzelnes Futtermittel auszutauschen. Es heißt, die gesamte Ration wieder stärker an der natürlichen Fressweise des Pferdes auszurichten: häufige kleine Futteraufnahmen, viel strukturreiches Raufutter und möglichst wenig unnötiger Stress rund ums Fressen.
Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Magensäure - auch dann, wenn gerade kein Futter aufgenommen wird. In der Natur verbringen Pferde einen großen Teil des Tages mit der langsamen Aufnahme faserreicher Pflanzen. Speichel, der beim Kauen entsteht, trägt dazu bei, die Säure im oberen Magenbereich abzupuffern. Lange Fresspausen passen zu diesem System deutlich schlechter als eine gut strukturierte Raufutterversorgung.
1. Raufutter zur Grundlage jeder Ration machen
Eine magenfreundliche Fütterung beginnt nicht beim Ergänzungsfutter, sondern bei Heu, Heulage oder geeigneter Weideaufnahme. Raufutter liefert Struktur, verlängert die Kauzeit und unterstützt die natürliche Bewegung des Verdauungstrakts. Für die meisten Pferde sollte es den weitaus größten Teil der täglichen Trockenmasseaufnahme ausmachen.
Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern auch die Verteilung. Ein großer Heuhaufen am Abend gleicht eine lange Lücke am Vormittag nicht automatisch aus. Prüfen Sie deshalb ehrlich, wie viele Stunden Ihr Pferd tatsächlich ohne Raufutter steht. Besonders kritisch sind längere Nachtpausen, Wartezeiten vor dem Reiten, Transporte und Tage mit eingeschränktem Weidegang.
Die passende Raufuttermenge hängt unter anderem von Körpergewicht, Haltung, Arbeitsintensität, Futterqualität und Gesundheitszustand ab. Als Orientierung wird häufig mindestens 1,5 Kilogramm Raufutter-Trockenmasse je 100 Kilogramm Körpergewicht genannt. Bei Pferden, die leichtfuttrig sind oder zu Stoffwechselthemen wie Insulindysregulation neigen, braucht es eine individuell sorgfältige Auswahl und Berechnung - nicht einfach weniger Raufutter.
2. Fresspausen konsequent verkürzen
Magenfreundlich zu füttern bedeutet vor allem, vermeidbare Leerzeiten zu reduzieren. Ideal sind möglichst kurze Fressunterbrechungen. In vielen Stallsystemen sind vier Stunden ein sinnvoller praktischer Richtwert, der jedoch nicht jede Haltungssituation automatisch löst.
Ein engmaschiges Heunetz, mehrere Fressplätze oder eine angepasste Portionierung können helfen, die Aufnahme über den Tag zu strecken. Dabei sollte das Netz zum Pferd passen: Frisst ein Pferd sichtbar frustriert, schlägt gegen das Netz oder nimmt trotz ausreichender Menge zu wenig Raufutter auf, kann die Maschenweite zu klein sein. Langsamer fressen ist nur dann sinnvoll, wenn die Futteraufnahme entspannt bleibt.
Auch rangniedrige Pferde verdienen Aufmerksamkeit. Sie können auf dem Papier ausreichend Heu erhalten und dennoch über Stunden keinen sicheren Zugang haben. Beobachten Sie die Herde daher nicht nur bei der Heugabe, sondern auch eine Weile später. Magenfreundliche Fütterung braucht Ruhe am Fressplatz.
3. Kraftfutter klein halten und sinnvoll aufteilen
Kraftfutter kann je nach Leistung, Körperzustand und individueller Ration sinnvoll sein. Problematisch wird es vor allem dann, wenn große Mengen schnell fermentierbarer Stärke oder Zucker in einer Mahlzeit zusammenkommen. Das kann die Verdauung belasten und Veränderungen im Dickdarm begünstigen.
Teilen Sie notwendige Kraftfuttermengen auf mehrere kleine Mahlzeiten auf und füttern Sie sie nie in einen leeren Magen. Heu sollte vorher verfügbar sein. Für viele Freizeitpferde ist zudem weniger Kraftfutter nötig, als aus Gewohnheit angenommen wird. Gute Kondition, tragfähige Muskulatur und zuverlässige Energieversorgung entstehen nicht automatisch durch eine volle Krippe.
Bei Sportpferden, schwerfuttrigen Pferden, Senioren oder Pferden in der Aufzucht darf die Ration nicht pauschal vereinfacht werden. Hier zählen Energiebedarf, Eiweißqualität, Mineralversorgung und Trainingsbelastung zusammen. Eine individuelle Rationsprüfung schützt davor, aus Sorge um den Magen ungewollt neue Nährstofflücken zu schaffen.
4. Vor dem Training immer Faser anbieten
Training auf nüchternen Magen ist für viele Pferde keine gute Ausgangslage. Eine kleine Portion Heu vor dem Reiten fördert die Speichelbildung und sorgt dafür, dass der Magen nicht vollkommen leer in die Arbeit geht. Es muss keine große Mahlzeit direkt vor intensivem Training sein - entscheidend ist, dass das Pferd zuvor in Ruhe Raufutter aufnehmen konnte.
Planen Sie diese Fresszeit auch bei Turnieren, Lehrgängen und Transporten ein. Gerade dort verändern sich Routinen, Geräusche, Sozialkontakte und Bewegungsabläufe. Stress kann sich auf Fressverhalten und Verdauung auswirken. Wer Heu, Wasser und ausreichend Zeit von Anfang an mitplant, nimmt Druck aus solchen Tagen.
Nach der Arbeit sollte frisches Wasser bereitstehen. Bei starkem Schwitzen können Elektrolyte sinnvoll sein, sofern sie zum tatsächlichen Verlust und zur gesamten Fütterung passen. Salzsteine sind eine gute Basis, ersetzen aber nicht immer eine bedarfsgerechte Versorgung bei hoher Belastung.
5. Futterwechsel langsam und überprüfbar gestalten
Der Darm und sein Mikrobiom reagieren empfindlich auf abrupte Veränderungen. Neues Heu, Anweiden, ein Stallwechsel oder ein anderes Müsli sollten deshalb schrittweise eingeführt werden. Je nach Ausgangssituation kann ein Übergang über mindestens sieben bis vierzehn Tage sinnvoll sein; bei empfindlichen Pferden oft länger.
Ändern Sie möglichst nicht mehrere Faktoren gleichzeitig. Wenn parallel das Heu wechselt, die Weidesaison beginnt und ein neues Ergänzungsfutter dazukommt, lässt sich kaum nachvollziehen, was das Pferd gut verträgt. Eine klare Fütterungsroutine macht Beobachtungen wertvoller.
Achten Sie auf Kotkonsistenz, Fresslust, Körpergewicht, Verhalten beim Putzen oder Gurten sowie die allgemeine Leistungsbereitschaft. Einzelne schlechte Tage kommen vor. Wiederkehrende Auffälligkeiten gehören jedoch nicht in die Kategorie „stellt sich schon ein“.
6. Mögliche Warnzeichen ernst nehmen
Magenprobleme zeigen sich nicht immer eindeutig. Manche Pferde wirken beim Gurten gereizt, fressen unruhig, sind mäkelig oder verändern ihr Verhalten unter dem Sattel. Auch wiederkehrende leichte Koliken, Gewichtsverlust, Durchfall oder eine unerklärlich schwankende Leistungsbereitschaft sollten tierärztlich abgeklärt werden.
Magengeschwüre sind bei Pferden ein relevantes Thema, besonders bei hoher Trainingsbelastung, häufigen Transporten, längeren Fastenzeiten oder belastenden Haltungsbedingungen. Gleichzeitig können ähnliche Symptome zahlreiche andere Ursachen haben - von Zahnproblemen über Schmerzen bis zu Parasiten oder einer unpassenden Ration. Eine Diagnose kann nur die Tierärztin oder der Tierarzt stellen.
Fütterungsmanagement unterstützt die Vorsorge und kann die Rahmenbedingungen verbessern. Es ersetzt aber keine Untersuchung, wenn Ihr Pferd Schmerzen zeigt, deutlich weniger frisst, wiederholt kolikt oder auffällig apathisch ist.
7. Ergänzungen gezielt einsetzen, nicht als Ausgleich für Fehler
Ergänzungsfuttermittel können eine durchdachte Grundration sinnvoll begleiten, etwa wenn Nährstoffe gezielt ergänzt werden sollen oder besondere Belastungsphasen anstehen. Sie können jedoch kein fehlendes Heu, keine zu lange Nachtpause und keine dauerhaft unruhige Fresssituation ausgleichen.
Achten Sie auf nachvollziehbare Zusammensetzungen, hygienisch einwandfreie Qualität und eine Dosierung, die zum Pferd passt. Pflanzliche Rezepturen können Teil eines modernen Fütterungskonzepts sein, sofern ihr Einsatz fachlich begründet ist. Bei Equilin steht genau dieser Gedanke im Mittelpunkt: natürliche Fütterungsbedürfnisse ernst nehmen und die tägliche Ration mit klar entwickelten Lösungen sinnvoll ergänzen.
Pferd magenfreundlich füttern lernen heißt auch beobachten
Keine Fütterungsempfehlung ist besser als der Blick auf das einzelne Pferd. Der Heuanalysenwert, die Haltung, der Zahnstatus, die Herdenkonstellation und das Trainingspensum verändern, was sinnvoll ist. Dokumentieren Sie für einige Wochen Futterzeiten, Raufuttermenge, Training und Auffälligkeiten. Oft wird dann sichtbar, wo die tägliche Routine den Magen unnötig fordert.
Der wirksamste erste Schritt ist meist erfreulich einfach: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Pferd heute nicht lange auf sein nächstes Büschel Heu warten muss. Aus vielen solchen verlässlichen Momenten entsteht eine Fütterung, die dem Pferd wirklich guttut.