Kraftfuttermenge pro Pferd richtig bestimmen

Kraftfuttermenge pro Pferd richtig bestimmen

Ein Pferd, das im Training plötzlich weniger gelassen wirkt, an Substanz verliert oder unnötig rund wird, braucht nicht automatisch mehr oder weniger Kraftfutter. Zuerst lohnt es sich, die gesamte Ration zu betrachten. Wer die Kraftfuttermenge pro Pferd bestimmen möchte, braucht daher mehr als eine Empfehlung in Kilogramm: Entscheidend sind Raufutterqualität, Körpergewicht, Arbeitsleistung, Haltungsbedingungen und der individuelle Stoffwechsel.

Kraftfutter kann eine Ration sinnvoll ergänzen. Es ersetzt aber weder ausreichend Heu noch eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung. Das Neue Füttern beginnt bei der Frage, was das Pferd als Pflanzenfresser täglich wirklich braucht - und welches Futter in welcher Menge dieses Fundament tatsächlich ergänzt.

Kraftfuttermenge pro Pferd bestimmen: Der Grundsatz

Die richtige Menge gibt es nicht als starre Zahl für jedes Großpferd oder Pony. Zwei 600-Kilogramm-Warmblüter können völlig unterschiedlich gefüttert werden müssen: Das eine geht sechs Tage pro Woche konzentriert im Sport, das andere steht überwiegend auf der Weide und wird zweimal wöchentlich locker bewegt. Auch Alter, Rasse, Futterverwertung, Temperatur und Gesundheitsgeschichte verändern den Bedarf.

Als Ausgangspunkt gilt: Raufutter steht an erster Stelle. Ein erwachsenes Pferd sollte pro Tag mindestens etwa 1,5 Kilogramm Raufutter-Trockenmasse je 100 Kilogramm Körpergewicht erhalten, bei vielen Pferden ist mehr sinnvoll. Praktisch entspricht das, abhängig vom Trockensubstanzgehalt, meist mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht. Ein 600-Kilogramm-Pferd benötigt also häufig mindestens 9 bis 12 Kilogramm Heu täglich, oft auch mehr.

Erst wenn dieses Fundament gesichert ist, wird beurteilt, ob über Heu, Gras und eine passende Ergänzung hinaus Energie fehlt. Kraftfutter ist dann kein Automatismus, sondern ein gezieltes Werkzeug. Bei leichtfuttrigen Pferden in leichter Arbeit kann eine hochwertige Mineral- und Ergänzungsfutterration bei ausreichend Raufutter genügen. Ein Pferd mit hohem Energieverbrauch, das trotz gutem Heu Gewicht verliert, braucht dagegen möglicherweise eine zusätzliche, gut verträgliche Energiequelle.

Diese fünf Faktoren entscheiden über den Bedarf

1. Körpergewicht und Körperzustand

Wiegen ist besser als schätzen. Eine Pferdewaage liefert den zuverlässigsten Wert, alternativ hilft ein korrekt angewendetes Gewichtemaßband, Entwicklungen zu verfolgen. Entscheidend ist nicht nur das Gewicht, sondern auch der Body Condition Score: Sind Rippen gut tastbar? Wie stark ist der Halskamm ausgeprägt? Lagert das Pferd Fett an Schulter, Schweifrübe oder Kruppe ein? Wirkt die Oberlinie tragfähig oder fehlt Muskulatur?

Ein höheres Gewicht bedeutet nicht zwingend, dass ein Pferd zu viel Energie erhält. Ein großrahmiges Pferd mit wenig Muskulatur kann schwer sein und dennoch Aufbau benötigen. Umgekehrt kann ein kompaktes Pferd bei unverändertem Gewicht deutlich zu viel Fett einlagern. Fotos im gleichen Stand und bei gleichem Licht, ergänzt durch regelmäßiges Wiegen, machen Veränderungen sichtbar, bevor die Ration stark angepasst werden muss.

2. Die tatsächliche Arbeit

Nicht jede gerittene Stunde ist gleich anstrengend. Ein ruhiger Ausritt im Schritt, eine Dressureinheit mit hoher Versammlungsarbeit oder regelmäßiges Springtraining stellen sehr unterschiedliche Anforderungen. Auch Transporte, Turniere, Stallwechsel, Hitze oder Kälte können den Energiebedarf zeitweise beeinflussen.

Leichte Arbeit erhöht den Bedarf oft nur begrenzt. Bei mittlerer bis schwerer Arbeit kann Kraftfutter dagegen sinnvoll sein, wenn das Pferd sein Gewicht, seine Leistungsbereitschaft und seine Muskulatur mit Raufutter allein nicht hält. Die Futtermenge sollte immer zur durchschnittlichen Belastung der letzten zwei bis drei Wochen passen, nicht zu einem einzelnen intensiven Trainingstag.

3. Qualität und Menge des Raufutters

Heu ist nicht einfach Heu. Schnittzeitpunkt, Pflanzenbestand, Lagerung und hygienische Qualität beeinflussen Energie, Eiweiß, Zucker und Struktur. Ein spät geschnittenes, strukturreiches Heu versorgt anders als junges, energie- und eiweißreicheres Heu. Ohne Analyse bleiben viele Entscheidungen eine fundierte Schätzung - mit Analyse werden sie deutlich präziser.

Bei Pferden mit Übergewichtstendenz, Insulindysregulation oder einer Vorgeschichte mit Hufrehe ist diese Kenntnis besonders wertvoll. Hier kann eine hohe Kraftfuttergabe problematisch sein, während auch die Raufutterqualität genau in die Planung gehört. Umgekehrt kann ein Pferd bei sehr energiearmem Heu und hoher Arbeitsleistung trotz großer Heumengen zu wenig Energie aufnehmen.

4. Art des Kraftfutters

Ein Kilogramm ist keine Aussage über die Wirkung einer Ration. Getreidereiche Mischfutter liefern schnell verfügbare Stärke. Faser- und ölbasierte Energiequellen können je nach Pferd und Einsatz besser passen. Wichtig ist, die Deklaration zu lesen: Wie hoch sind Stärke und Zucker? Welche Rohfasern und Fettquellen sind enthalten? Werden Mineralstoffe bereits nennenswert geliefert?

Große, stärkereiche Einzelmahlzeiten belasten die Verdauung unnötig. Stärke, die im Dünndarm nicht ausreichend verdaut wird, gelangt in den Dickdarm und kann dort das mikrobielle Gleichgewicht stören. Gerade Pferde mit empfindlicher Verdauung, wiederkehrend weichem Kot, Stressphasen oder einer Neigung zu Magengeschwüren profitieren von einer besonders durchdachten Rationsgestaltung. Mehr Kraftfutter ist in solchen Fällen selten die überzeugendste erste Antwort.

5. Alter, Haltung und individuelle Besonderheiten

Wachsende Pferde, tragende oder laktierende Stuten sowie Senioren haben eigene Anforderungen. Junge Pferde brauchen Nährstoffe für ein gleichmäßiges Wachstum, nicht einfach möglichst viele Kalorien. Bei älteren Pferden können Zahnstatus, Kauleistung und die Verwertung von Raufutter den Plan verändern. Auch bei PPID, chronischen Erkrankungen oder nach längeren Trainingspausen sollte die Ration gemeinsam mit Tierarzt oder qualifizierter Futterberatung abgestimmt werden.

Offenstall, Boxenhaltung, Weidezeit und Fresspausen gehören ebenfalls in die Rechnung. Ein Pferd, das nachts lange ohne Heu steht, löst sein Problem nicht durch eine größere Abendportion Müsli. Kontinuierlicher Zugang zu passendem Raufutter unterstützt Kauaktivität, Speichelbildung, Darmflora und ein ruhigeres Fressverhalten.

So gehen Sie bei der Rationsberechnung vor

Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme über sieben bis vierzehn Tage. Notieren Sie Heumenge, Weidezeit, jedes Kraftfutter, Leckerli, Mash, Öl und Ergänzungsfutter. Wiegen Sie Futtermittel mit einer Kofferwaage ab - eine Schaufel ist je nach Produkt und Füllhöhe erstaunlich ungenau. Halten Sie außerdem Arbeitsdauer, Intensität, Gewicht und Körperzustand fest.

Dann prüfen Sie zuerst das Raufutter. Reicht die tägliche Menge? Gibt es lange Fresspausen? Ist die Qualität hygienisch einwandfrei und zur Situation des Pferdes passend? Erst danach wird die Energiebilanz beurteilt. Nimmt das Pferd ungewollt ab und sind Zähne, Parasitenmanagement sowie mögliche gesundheitliche Ursachen abgeklärt, kann die Kraftfuttermenge schrittweise steigen. Nimmt es zu, wird zuerst geprüft, ob Kraftfutter überhaupt nötig ist und wie viel Energie über Weide und Heu kommt.

Verändern Sie jeweils nur einen Faktor und geben Sie der Anpassung Zeit. Eine Veränderung von etwa 0,1 bis 0,25 Kilogramm pro Mahlzeit kann ein sinnvoller erster Schritt sein, abhängig von Pferd und bisheriger Menge. Beobachten Sie mindestens zwei Wochen, bei deutlichen Gewichtsveränderungen länger. Fell, Kot, Appetit, Leistungsbereitschaft, Bauchumfang und Körperzustand liefern zusammen ein wesentlich klareres Bild als der Blick in den Trog.

Mahlzeitengröße begrenzen und Mineralstoffe absichern

Wenn Kraftfutter notwendig ist, teilen Sie die Tagesmenge auf mehrere kleine Mahlzeiten auf. Als praxisnaher Richtwert sollte eine stärkereiche Kraftfuttermahlzeit für ein 500-Kilogramm-Pferd nicht deutlich über etwa 1 bis 1,5 Kilogramm liegen. Bei Ponys, kleinen Pferden oder empfindlichen Tieren liegt die sinnvolle Menge entsprechend niedriger. Je stärker das Futter konzentriert ist, desto vorsichtiger sollte die Portionsgröße gewählt werden.

Eine reduzierte Kraftfuttermenge darf nicht dazu führen, dass Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine unberücksichtigt bleiben. Viele Pferde erhalten mit kleinen Mengen Müsli keine bedarfsgerechte Versorgung, obwohl das Futter als "mineralisiert" beworben wird. Hier kann ein auf die Grundration abgestimmter Balancer oder ein hochwertiges Mineralfutter die Lücke gezielt schließen, ohne unnötig Energie und Stärke zu liefern. Equilin folgt dabei dem Prinzip, die tägliche Ration vom Raufutter her zu denken und Ergänzungen gezielt statt pauschal einzusetzen.

Wann eine individuelle Einschätzung sinnvoll ist

Bei unerklärlichem Gewichtsverlust, starkem Übergewicht, Muskelproblemen, wiederkehrenden Koliken, chronischem Durchfall, Hufrehe, auffälligem Trinkverhalten oder deutlichen Leistungseinbrüchen gehört zuerst eine tierärztliche Abklärung dazu. Fütterung kann viel beeinflussen, ersetzt aber keine Diagnose. Das gilt auch für Pferde, die nach einer Verletzung wieder antrainiert werden oder deren Belastung sich kurzfristig stark verändert.

Eine Rationsberatung lohnt sich zudem, wenn mehrere Futtermittel gleichzeitig im Einsatz sind. Gerade gut gemeinte Kombinationen aus Müsli, Öl, Mash, Mineralfutter und verschiedenen Ergänzungen können Energie und einzelne Nährstoffe unbemerkt verdoppeln. Eine klare, nachvollziehbare Ration ist meist wirksamer als ein voller Futterraum.

Der beste Fütterungsplan bleibt beweglich: Wiegen Sie Ihr Pferd regelmäßig, beobachten Sie seinen Körper mit geschultem Blick und passen Sie kleine Stellschrauben frühzeitig an. So wird Kraftfutter zu dem, was es sein soll - eine sinnvolle Ergänzung für den individuellen Bedarf Ihres Pferdes, nicht die Grundlage seiner täglichen Gesundheit.

Back to blog