Wichtig für den Rationsrechner

Möchten Sie den Rationsrechner nutzen? Legen Sie beim Bezahlen Ihrer Bestellung ein Kundenkonto an, dann steht der Rechner automatisch und kostenlos in Ihrem Konto. Der Rechner selbst ist auf Englisch.

Beispiel Fütterung nach Sehnenverletzung

Beispiel Fütterung nach Sehnenverletzung

Eine Sehnenverletzung verändert den Alltag eines Pferdes oft schlagartig: weniger Bewegung, mehr Boxenruhe, kontrollierte Schritte und eine lange Rehabilitationsphase. Ein Beispiel Fütterung nach Sehnenverletzung kann dabei Orientierung geben. Es ersetzt jedoch keine tierärztliche Diagnose und keinen individuell abgestimmten Rehabilitationsplan. Denn die Futterration soll vor allem eines leisten: den Organismus zuverlässig versorgen, ohne durch überschüssige Energie Gewichtszunahme, Unruhe oder unnötige Belastung zu fördern.

Gerade in dieser Zeit zeigt sich, wie entscheidend eine klare, raufutterbasierte Fütterung ist. Sehnen heilen nicht durch ein einzelnes Futtermittel. Aber eine bedarfsgerechte Versorgung schafft die ernährungsphysiologischen Voraussetzungen dafür, dass das Pferd Muskulatur, Stoffwechsel, Verdauung und allgemeines Wohlbefinden trotz reduzierter Bewegung möglichst stabil halten kann.

Warum sich die Ration in der Ruhephase ändern muss

Ein Pferd in kontrollierter Bewegung verbraucht meist deutlich weniger Energie als im regulären Training. Bleibt die bisherige Kraftfuttermenge unverändert, steigt das Risiko, dass es Körperfett ansetzt. Das ist weit mehr als eine optische Frage: Jedes zusätzliche Kilogramm erhöht die mechanische Belastung des Bewegungsapparates und kann die geplante Rückkehr in die Arbeit erschweren.

Die richtige Reaktion lautet aber nicht automatisch: möglichst wenig füttern. Eine zu starke Einschränkung kann zu Versorgungslücken, Frust durch lange Fresspausen und einer ungünstigen Verdauungssituation führen. Pferde sind auf eine kontinuierliche Aufnahme strukturreicher Fasern eingestellt. Raufutter bleibt deshalb auch nach einer Sehnenverletzung das Fundament der Ration.

Wie viel Energie tatsächlich nötig ist, hängt unter anderem vom Ausgangsgewicht, Körperzustand, Alter, Temperament, Haltungsform, Dauer der Boxenruhe und dem erlaubten Bewegungsprogramm ab. Ein leichtfuttriges Pony benötigt eine andere Anpassung als ein großrahmiges Warmblut, das vor der Verletzung täglich im Sport gearbeitet wurde.

Beispiel Fütterung nach Sehnenverletzung für ein Großpferd

Das folgende Beispiel bezieht sich auf ein ausgewachsenes, gesundes 600-kg-Pferd in der frühen Rehabilitationsphase. Es steht überwiegend ruhig, darf aber nach tierärztlicher Vorgabe kurze Schrittphasen absolvieren. Das Pferd ist normalgewichtig und hat Zugang zu sauberem Wasser sowie einem Salzleckstein. Die Ration muss immer an Heuanalyse, Körperzustand und individuelle Vorgaben angepasst werden.

Als Basis können etwa 9 bis 12 kg Heu pro Tag dienen, idealerweise gewogen und auf möglichst viele kleine Fresszeiten verteilt. Das entspricht ungefähr 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts als Trockensubstanz, abhängig von Heuqualität und individuellem Bedarf. Bei guter Futterhygiene und passendem Körperzustand darf Raufutter nicht zur knappen Restgröße werden, nachdem das Kraftfutter gestrichen wurde.

Erhält das Pferd bisher größere Mengen Getreide oder energiereiches Müsli, wird diese Menge häufig deutlich reduziert oder schrittweise abgesetzt. Braucht es dennoch ein kleines Trägerfutter für Mineralfutter oder Medikamente, kann eine sehr kleine, energiearme Portion aus eingeweichten Heucobs, unmelassierten Fasern oder einer vergleichbaren strukturierten Grundlage passen. Entscheidend ist die Menge: Ein Trägerfutter soll die Versorgung erleichtern, nicht die frühere Trainingsenergie ersetzen.

Hinzu kommt ein hochwertiger Mineral- und Vitaminbalancer, der zur Heumenge und Grundration passt. Gerade wenn Kraftfutter entfällt, fehlen sonst schnell essenzielle Spurenelemente und Vitamine. Eine gezielte Ergänzung sollte aber keine wahllose Sammlung einzelner Produkte sein. Mehr ist bei Mikronährstoffen nicht automatisch besser. Besonders bei Spurenelementen sollte die gesamte tägliche Aufnahme betrachtet werden.

Bei Bedarf kann hochwertiges Eiweiß in moderater Menge sinnvoll sein, etwa wenn das Pferd während der Ruhephase sichtbar Muskulatur verliert, sehr wenig eiweißreiches Raufutter erhält oder im höheren Alter ist. Hier zählt die Qualität der Aminosäuren mehr als eine große Menge Rohprotein. Ob und wie viel ergänzt wird, sollte sich an der Heuanalyse, dem Ernährungszustand und der Einschätzung von Tierarzt oder qualifizierter Fütterungsberatung orientieren.

Was Sehnengewebe ernährungsphysiologisch braucht

Sehnen bestehen überwiegend aus kollagenen Strukturen. Ihre Anpassung und Heilung verlaufen langsam, weil das Gewebe vergleichsweise gering durchblutet ist. Das erklärt, warum Geduld im Rehabilitationsmanagement nicht verhandelbar ist. Fütterung kann diesen biologischen Zeitplan nicht abkürzen.

Sie kann jedoch eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherstellen. Aminosäuren werden für körpereigene Proteinstrukturen benötigt. Vitamin C, Kupfer, Zink und Mangan sind an unterschiedlichen Prozessen des Bindegewebs- und Energiestoffwechsels beteiligt. Gleichzeitig sollte die Ergänzung gezielt bleiben: Eine hohe Dosierung einzelner Stoffe ist kein Beweis für eine bessere Wirkung und kann das Nährstoffgleichgewicht verschieben.

Auch die Qualität des Grundfutters verdient besondere Aufmerksamkeit. Staubiges, hygienisch auffälliges oder sehr spät geerntetes Heu liefert keine gute Basis für eine lange Phase eingeschränkter Bewegung. Eine Heuanalyse schafft Klarheit über Energie, Eiweiß, Zucker und Mineralstoffgehalte. Sie ist besonders wertvoll, wenn ein Pferd leicht zunimmt, Stoffwechselthemen mitbringt oder mehrere Ergänzungsfuttermittel erhält.

Gewicht kontrollieren, ohne das Pferd hungern zu lassen

In der Rehabilitation verändert sich der Körperzustand manchmal schneller als erwartet. Deshalb lohnt es sich, einmal pro Woche an derselben Stelle und unter ähnlichen Bedingungen das Gewicht mit einem Maßband zu dokumentieren. Zusätzlich helfen Fotos von der Seite und von hinten sowie ein regelmäßiger Blick auf Halskamm, Rippenbereich und Kruppe.

Nimmt das Pferd zu, wird zuerst geprüft, wo die Energie tatsächlich herkommt. Häufig liegen die Ursachen in großzügig bemessenen Kraftfutterportionen, unbegrenzt energiereichem Heu, langen Weidezeiten oder vielen kleinen Leckerbissen. Eine Anpassung sollte schrittweise erfolgen und die Raufutterversorgung schützen. Fresspausen von mehreren Stunden sind für Pferde keine sinnvolle Methode zur Gewichtskontrolle.

Bei sehr energiehaltigem Heu kann ein engmaschiges Heunetz die Fresszeit verlängern. Ob das für das einzelne Pferd geeignet ist, hängt von Zähnen, Fressverhalten und Haltung ab. Manche Pferde werden durch kleine Maschen frustriert oder fressen zu hastig. Hier braucht es Beobachtung statt Standardlösung.

Verdauung und Ruhe im Stall mitdenken

Boxenruhe ist nicht nur eine Frage fehlender Bewegung. Sie verändert oft auch soziale Kontakte, Tagesabläufe und die Dauer der Futteraufnahme. Stress kann sich auf Fressverhalten und Verdauung auswirken. Umso wichtiger sind ruhige Routinen, ausreichend Wasser, konsequente Futterhygiene und möglichst viele raufuttergeprägte Fressphasen.

Ein plötzlicher Futterwechsel ist in dieser Situation besonders ungünstig. Neue Komponenten werden über mehrere Tage eingeschlichen. Das gilt auch für Ergänzungen. So lässt sich besser erkennen, wie das Pferd die Ration verträgt, und der empfindliche Verdauungstrakt wird nicht unnötig belastet.

Wasser verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Ein Pferd, das weniger arbeitet, trinkt nicht zwangsläufig ausreichend. Besonders bei kühlem Wetter oder wenn Heu die Hauptfutterquelle ist, sollte die tägliche Wasseraufnahme beobachtet werden. Sauberes, nicht zu kaltes Wasser und ein Salzangebot unterstützen die freiwillige Aufnahme.

Wenn die Arbeit wieder beginnt

Mit dem tierärztlich freigegebenen Aufbauprogramm steigt der Energiebedarf nicht sofort sprunghaft. In den ersten Wochen dominieren oft Schritt, kontrollierte Belastung und vorsichtiger Muskelaufbau. Die Ration sollte diesem Tempo folgen. Erst wenn Arbeitsumfang, Kondition und Körperzustand es erfordern, wird die Energie schrittweise angepasst.

Dann kann es sinnvoll sein, die Eiweißqualität, Mineralstoffversorgung und verfügbare Energie erneut zu prüfen. Ziel ist kein schneller Leistungssprung, sondern ein Pferd, das die Belastung körperlich und mental gut verarbeitet. Eine dokumentierte Fütterung mit gewogenen Mengen macht Veränderungen nachvollziehbar und verhindert, dass sich alte Trainingsrationen unbemerkt einschleichen.

Eine Sehnenverletzung verlangt Geduld - auch am Futtertrog. Wer Raufutter, bedarfsgerechte Mikronährstoffe, kontrollierte Energie und regelmäßige Beobachtung konsequent zusammendenkt, schafft eine ruhige und verlässliche Basis für jeden einzelnen Rehabilitationsschritt.

Back to blog

Mehr über gesunde Fütterung erfahren?

Melden Sie sich für unsere kostenlose 12-teilige E-Mail-Serie an. Alle drei Tage erhalten Sie praktisches Wissen über Pferdefütterung, von Raufutter bis Mineralstoffe.

Sie können sich jederzeit abmelden.