Ein Pferd mit Arthrose füttern bedeutet nicht, nach dem einen Gelenkzusatz zu suchen. Entscheidend ist die gesamte Ration: Sie sollte das Pferd bedarfsgerecht mit Energie, hochwertigem Protein, Mineralstoffen und ausreichend Raufutter versorgen, ohne unnötige Kilos oder Stoffwechselbelastungen zu fördern. Denn Gelenke tragen nicht nur Bewegung, sondern auch jedes Kilogramm Körpergewicht - Tag für Tag.
Arthrose ist eine chronische Veränderung am Gelenk. Fütterung kann geschädigten Knorpel nicht wiederherstellen und ersetzt weder tierärztliche Diagnostik noch einen passenden Bewegungsplan. Sie kann aber Rahmenbedingungen schaffen, die dem Pferd helfen: ein stabiles Gewicht, eine gute Versorgung der Muskulatur und eine Ration, die zu Alter, Haltung, Arbeit und Gesundheitsstatus passt.
Warum das Gewicht bei Arthrose so viel verändert
Übergewicht ist bei einem Pferd mit Arthrose einer der wichtigsten beeinflussbaren Faktoren. Mehr Gewicht erhöht die mechanische Belastung auf Gelenke, Sehnen und Hufe. Gerade bei Pferden, die sich wegen Schmerzen weniger gern bewegen, kann daraus ein Kreislauf entstehen: weniger Aktivität, schwindende Muskulatur, steigendes Gewicht und noch mehr Belastung im Bewegungsapparat.
Der Blick auf die Waage allein reicht dabei nicht. Beurteilen Sie regelmäßig den Body Condition Score, ertasten Sie Rippen, Schulterbereich und Schweifansatz und dokumentieren Sie Veränderungen mit Fotos. Ein rund wirkendes Pferd kann durchaus zu viel Fettgewebe tragen, auch wenn es nicht auffällig „dick“ erscheint.
Soll Gewicht reduziert werden, braucht es Geduld. Radikale Rationskürzungen sind keine Lösung, denn sie gefährden die Versorgung mit Protein, Mineralstoffen und essenziellen Mikronährstoffen. Sinnvoller ist ein kontrolliertes Energiedefizit auf Basis einer ausreichenden Raufuttermenge, begleitet durch Tierarzt, Fütterungsberatung und einen zur Lahmheit passenden Trainingsplan.
Pferd mit Arthrose füttern: Die Basis ist Raufutter
Raufutter ist nicht bloß Füllmaterial. Heu liefert strukturwirksame Fasern, unterstützt eine lange Kautätigkeit und bildet die Grundlage einer pferdegerechten Ration. Für viele Pferde mit Arthrose ist gutes, hygienisch einwandfreies Heu daher der erste Ansatzpunkt - nicht das Kraftfutter.
Wie viel Heu passt, hängt unter anderem von Körpergewicht, Futterzustand, Heuqualität und Weidegang ab. Als Orientierungsrahmen wird die Raufutteraufnahme in der Trockenmasse berechnet. Bei übergewichtigen Pferden darf die Menge nicht pauschal stark gekürzt werden. Häufig ist es hilfreicher, die Energie des Grundfutters über eine Heuanalyse besser einzuordnen und die Fresszeiten mit engmaschigen Netzen oder mehreren Futterportionen sinnvoll zu verlängern.
Heu mit sehr hohem Energie- oder Zuckergehalt kann für leichtfuttrige Pferde unpassend sein. Umgekehrt kann sehr spätes, nährstoffarmes Heu bei alten, dünnen oder stark arbeitenden Pferden nicht genügend Energie und Protein liefern. Die richtige Lösung liegt deshalb selten in einer allgemeinen Heu-Empfehlung. Eine Analyse schafft Klarheit über Energie, Zucker, Protein und Mineralstoffgehalte.
Weidegang individuell beurteilen
Gras ist wertvolles Grundfutter, doch sein Energie- und Zuckergehalt schwankt mit Jahreszeit, Wetter, Aufwuchs und Tageszeit. Bei einem Pferd mit Arthrose, das zu Übergewicht oder Stoffwechselproblemen neigt, sollte der Weidegang bewusst geplant werden. Das kann kürzere Weidezeiten, angepasste Flächen oder eine Kombination aus kontrolliertem Auslauf und Heufütterung bedeuten.
Weide komplett zu streichen ist nicht automatisch die beste Antwort. Sozialkontakt, freie Bewegung und Lebensqualität zählen ebenfalls. Entscheidend ist, die Energieaufnahme ehrlich mitzurechnen und das Pferd nicht nur nach dem Eindruck einer einzelnen Mahlzeit zu beurteilen.
Energie gezielt liefern, Stärke nicht einfach ersetzen
Ob Kraftfutter notwendig ist, entscheidet der tatsächliche Bedarf. Ein Freizeitpferd mit guter Figur und wenig Arbeit braucht oft kein energiereiches Müsli. Ein älteres Pferd, ein Pferd in Aufbauphase oder ein sportlich gearbeitetes Pferd kann dagegen zusätzliche Energie benötigen, um Gewicht und Muskulatur zu halten.
Große stärkereiche Mahlzeiten sind für viele Pferde keine ideale Basis. Besser ist es, die Ration zunächst über hochwertiges Raufutter, eine bedarfsgerechte Menge an energiearmen oder strukturreichen Komponenten und mehrere kleine Portionen zu organisieren. Wenn mehr Energie erforderlich ist, sollte die Auswahl zum individuellen Stoffwechsel und zur Gesamtration passen.
Fett kann als konzentrierte Energiequelle infrage kommen, allerdings nur schrittweise angefüttert und mit Blick auf die gesamte Nährstoffbilanz. Es ist kein automatischer Vorteil für jedes Pferd. Pferde mit geringem Energiebedarf profitieren meist stärker von einer einfachen, präzise berechneten Ration als von zusätzlichen Kalorien in gut gemeinter Form.
Muskeln brauchen Protein - besonders bei weniger Bewegung
Starke, funktionierende Muskulatur stabilisiert den Bewegungsapparat. Bei Arthrose ist das besonders relevant, weil Schonhaltung und reduzierte Bewegung Muskelmasse rasch abbauen können. Eine ausreichende Proteinversorgung gehört deshalb in jede Rationsprüfung.
Wichtig ist nicht nur die Menge an Rohprotein, sondern auch dessen Qualität. Essenzielle Aminosäuren müssen in ausreichender Menge verfügbar sein. Bei älteren Pferden, Pferden mit sichtbarem Muskelverlust oder in einer Aufbauphase kann eine gezielte Eiweißergänzung sinnvoll sein. Sie ersetzt jedoch kein angepasstes Training. Muskelaufbau entsteht aus Nährstoffversorgung und dosierter Bewegung - nicht aus Protein allein.
Prüfen Sie außerdem, ob das Grundfutter überhaupt genug Protein liefert. Besonders sehr spät geerntetes Heu kann hier Lücken aufweisen. Eine Heuanalyse und die Beurteilung von Muskulatur, Gewicht und Arbeitsumfang sind aussagekräftiger als ein Blick auf die Deklaration eines einzelnen Futtersacks.
Mineralstoffe, Spurenelemente und Fettsäuren sinnvoll einordnen
Bei einer reduzierten oder sehr heubetonten Ration werden Mineralstoffe oft zum blinden Fleck. Heu deckt den Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen nicht verlässlich ab. Ein passendes Mineralfutter oder Balancer kann helfen, die Basisversorgung zu schließen, ohne unnötig viel Energie zu liefern.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen unter anderem Zink, Kupfer, Selen und Vitamin E. Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Stoffwechsel, bei antioxidativen Schutzmechanismen und in der Muskelfunktion. Dennoch gilt: Mehr ist nicht besser. Gerade Selen hat einen engen Bereich zwischen Bedarf und Überversorgung. Dosieren Sie Ergänzungen deshalb nicht nach Gefühl und kombinieren Sie nicht mehrere Produkte mit ähnlichen Inhaltsstoffen, ohne die Gesamtsumme zu prüfen.
Omega-3-Fettsäuren werden in der Pferdefütterung häufig im Zusammenhang mit Gelenken genannt. Sie können eine bedarfsgerechte Ration ergänzen, sind aber kein Ersatz für Gewichtsmanagement, Bewegung und tierärztliche Behandlung. Qualität, Herkunft, Dosierung und die Verträglichkeit des einzelnen Pferdes entscheiden darüber, ob eine Ergänzung passt.
Ergänzungen für Gelenke: realistisch auswählen
Glucosamin, Chondroitin, Kollagen, Hyaluronsäure, Kräuter oder Grünlippmuschel werden vielfach beworben. Die Studienlage ist je nach Inhaltsstoff, Dosierung und untersuchter Pferdegruppe unterschiedlich. Einzelne Pferdehalter berichten von guten Erfahrungen, doch daraus lässt sich keine verlässliche Wirkung für jedes Pferd ableiten.
Achten Sie bei Ergänzungsfuttermitteln auf eine transparente Deklaration, nachvollziehbare Tagesmengen und eine klare Zusammensetzung. Bei Turnierpferden sollten Inhaltsstoffe zusätzlich unter dem Gesichtspunkt geltender Doping- und Medikationsregeln geprüft werden. Pflanzliche Inhaltsstoffe sind nicht automatisch unbedenklich, vor allem wenn das Pferd Medikamente erhält.
Für Equilin steht „Das Neue Füttern“ deshalb bei der Basis an: erst Raufutter, Körpergewicht und Nährstofflücken einordnen, dann gezielt ergänzen. Diese Reihenfolge bewahrt davor, ein komplexes Problem mit einem einzelnen Produkt lösen zu wollen.
So wird aus Beobachtung ein passender Futterplan
Ein guter Futterplan beginnt mit Daten. Wiegen Sie Heuportionen statt sie zu schätzen, erfassen Sie Weidezeit und Kraftfutter und notieren Sie alle Ergänzungen. Ergänzen Sie diese Informationen um Körpergewicht, Body Condition Score, Arbeitsumfang, Zahnstatus und Befunde aus der tierärztlichen Untersuchung.
Bei Veränderungen gilt: langsam vorgehen. Neue Futtermittel werden schrittweise eingeführt, Rationsanpassungen über mehrere Wochen beobachtet. Hilfreich sind feste Kontrollpunkte, etwa monatliche Fotos von der Seite und von hinten, ein Maßbandwert sowie Notizen zur Bewegungsfreude, Kotkonsistenz und Fressverhalten.
Wenn die Lahmheit zunimmt, das Pferd deutlich abbaut, Gewicht trotz angepasster Ration verliert oder sich sein Verhalten verändert, gehört die Ursache tierärztlich abgeklärt. Auch Zähne, Parasitenmanagement, Schmerzen und die Qualität des Grundfutters können beeinflussen, wie gut ein Pferd Nährstoffe verwertet.
Das freundlichste Futterkonzept für arthrotische Pferde ist selten spektakulär: gutes Raufutter, ein tragfähiges Gewicht, ausreichend hochwertige Nährstoffe und genug Zeit für kleine, konsequent umgesetzte Anpassungen. So wird Fütterung zu einem verlässlichen Teil des täglichen Gesundheitsmanagements - und gibt dem Pferd die bestmögliche Basis für Bewegung mit möglichst viel Komfort.