In der Stallsaison kommt es häufiger vor, als man denkt: Pferde mit Magengeschwüren. Das klingt vielleicht nach etwas Seltenem, doch das Gegenteil ist der Fall. Unter dem Begriff Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) treten Magengeschwüre bei Sport- und Freizeitpferden auffallend häufig auf. Bei Sport- und Freizeitpferden liegt der Anteil zwischen 17 und 58 %, bei Renn- und Distanzpferden sogar zwischen 50 und 93 %. Auch Fohlen sind nicht sicher: Rund um das Absetzen werden bei 82 % Magengeschwüre gefunden.
Warum Pferde so empfindlich sind
Der Pferdemagen ist für ein anderes Leben gemacht, als viele unserer Pferde heute führen. In der Natur grasen Pferde den ganzen Tag über kleine Mengen, und ihr Magen ist auf diese ständige Zufuhr von Raufutter eingestellt. Deshalb produziert der Magen rund um die Uhr Magensäure. Diese Säure tötet Krankheitserreger ab und hilft bei der Verdauung.
Kommt jedoch kein ständiger Futterstrom nach, schwappt die Magensäure ohne Aufgabe im Magen herum. Die ätzende Säure kann dann die Magenwand angreifen, und es entstehen kleine Wunden, aus denen schließlich Magengeschwüre werden. Vor allem wenn ein Pferd mit leerem Magen arbeiten muss, ist der obere Teil des Magens besonders ausgesetzt.
Leidet das Pferd zusätzlich unter chronischem Stress, geht es doppelt schief. Stress verringert die Durchblutung des gesamten Magen-Darm-Trakts. Dadurch werden Nährstoffe schlechter aufgenommen, und die Magenwand erhält weniger Sauerstoff und Baustoffe. Die Folge? Die schützende Schleimschicht wird dünner, und der Magen wird noch empfindlicher gegenüber Säure.
Zwei Arten von Magengeschwüren
Man unterscheidet Geschwüre im:
- oberen, drüsenlosen Teil des Magens. Diese kommen am häufigsten vor und hängen stark mit Fütterung und Haltung zusammen.
- unteren, drüsenhaltigen Teil. Diese sind hartnäckiger und werden oft durch Stress verursacht, sowohl körperlich als auch emotional.
Stressfaktoren wie Turnieraufregung, Transport und Boxenruhe spielen dabei eine große Rolle, aber auch schlecht sitzende Ausrüstung, fehlender Sozialkontakt, chronische Bauchschmerzen und Ähnliches.
Erkennen: subtile Anzeichen
Ein Pferd mit Magengeschwüren zeigt längst nicht immer deutliche Anzeichen. Dennoch gibt es einige Symptome, bei denen Sie aufmerksam werden sollten:
- Verminderter Appetit oder Gewichtsverlust
- Zähneknirschen, häufigeres Gähnen
- Aggressivität beim Nachgurten
- Wiederkehrende Koliken, vor allem nach Kraftfutter
- Koppen nach dem Fressen von Kraftfutter
- Nachlassende Leistung und langsamere Erholung
- Verhaltensänderungen (nervös, aggressiv)
- Chronischer Durchfall
Achtung: Diese Anzeichen sind nicht ausschließlich auf Magengeschwüre zurückzuführen. Sie können auch zum Beispiel durch Wurmbefall oder einen schlecht sitzenden Sattel verursacht werden.
Was können Sie bei Verdacht auf Magengeschwüre tun?
Die Grundlage liegt in Management und Fütterung. Denken Sie dabei an:
- Sorgen Sie für mindestens 12 bis 16 Stunden Raufutter pro Tag, ohne Fresspausen von mehr als 3 Stunden.
- Verringern Sie Stress, wo es geht: Bewegung, Sozialkontakt mit Artgenossen und feste Abläufe sind entscheidend.
- Füttern Sie vor dem Reiten eine Handvoll Raufutter, um den Magen zu schützen.
- Unterstützen Sie bei Bedarf mit Ergänzungen, die die Magenwand schützen. Greifen Sie nicht in den pH-Wert des Magens ein, der ist nicht ohne Grund sauer.
Geschwüre im oberen Teil des Magens können oft von selbst abheilen, wenn sich das Management verbessert. Bei ernsteren Beschwerden kann der Tierarzt zusätzlich behandeln oder eine Gastroskopie durchführen, um Gewissheit zu bekommen.
Für Geschwüre im unteren Teil des Magens ist eine längere und komplexere Behandlung nötig. Die Standardmedikation (Omeprazol) wirkt dort nicht immer wie gewünscht und kann in manchen Fällen sogar das Gegenteil bewirken.
Fazit
Magengeschwüre sind also viel mehr als ein „Sportpferdeleiden". Sie haben alles damit zu tun, wie wir unsere Pferde halten und versorgen. Die gute Nachricht? Mit den richtigen Anpassungen bei Fütterung, Haltung und Training können Sie das Risiko deutlich senken und oft sogar eine Genesung ermöglichen.
👉 Vermuten Sie, dass Ihr Pferd Magenprobleme hat? Sprechen Sie immer mit Ihrem Tierarzt und schauen Sie kritisch auf Ihr Fütterungs- und Stallmanagement. Sie können uns jederzeit eine E-Mail für eine Fütterungsberatung schicken. Dabei denken wir auch gern über das gesamte Management mit.