Eine Zuchtstute muss nicht für zwei fressen - aber sie muss in den entscheidenden Wochen präzise versorgt sein. Dieser Ratgeber zur Fütterung von Zuchtstuten zeigt, worauf es vor der Bedeckung, während der Trächtigkeit und in der Laktation wirklich ankommt. Denn nicht die möglichst große Kraftfuttermenge entscheidet über eine gute Entwicklung, sondern eine Ration, die Raufutterqualität, Energie, hochwertiges Eiweiß und Mineralstoffe sinnvoll zusammenbringt.
Die Körperkondition ist der erste Fütterungsplan
Der Blick auf die Stute ersetzt keine Rationsberechnung, ist aber ein unverzichtbarer Anfang. Eine zu magere Stute verfügt oft über geringe Reserven für Trächtigkeit und Milchbildung. Eine deutlich übergewichtige Stute bringt jedoch ebenfalls Risiken mit: Stoffwechsel und Bewegungsapparat werden stärker belastet, und die Geburt kann unnötig erschwert werden.
Ziel ist eine gute, nicht üppige Körperkondition. Rippen sollten mit leichtem Druck fühlbar sein, ohne sichtbar hervorzutreten. Der Hals soll nicht fett gepolstert wirken, der Widerrist nicht kantig. Dokumentieren Sie Gewicht oder Gewichtsschätzung, Body-Condition-Score und Futtermenge regelmäßig. Gerade bei robusten Rassen, leichtfuttrigen Stuten oder wenig Bewegung kann der Energiebedarf deutlich niedriger liegen, als es der Begriff Zuchtstute vermuten lässt.
Vor der Bedeckung lohnt sich ein kritischer Blick auf die Basisration. Zähne, Entwurmungsmanagement, Weidequalität und Haltung gehören dazu. Eine Stute, die dauerhaft schlecht frisst, an Gewicht verliert oder wiederkehrend weichen Kot zeigt, sollte tierärztlich abgeklärt werden. Erst dann lässt sich die Fütterung gezielt anpassen.
Ratgeber zur Fütterung von Zuchtstuten: Das Raufutter zuerst
Das Pferd ist auf eine kontinuierliche Aufnahme strukturreicher Pflanzenfasern eingestellt. Auch bei Zuchtstuten bleibt gutes Raufutter daher das Fundament. Heu sollte hygienisch einwandfrei sein, angenehm riechen, staubarm und frei von Schimmel sein. Je nach Haltung, Körpergewicht und Weidegang dient eine ausreichende Heumenge als Basis für Kautätigkeit, Darmflora und eine ruhige Verdauung.
Die Qualität ist dabei genauso relevant wie die Menge. Sehr spät geerntetes, energiearmes Heu kann für eine dünne oder hochlaktierende Stute allein nicht reichen. Sehr zucker- und energiereiches Heu kann bei leichtfuttrigen Stuten dagegen unpassend sein. Eine Heuanalyse macht aus Vermutungen belastbare Zahlen: Energie, Rohprotein, Zucker, Mineralstoffgehalte und hygienische Auffälligkeiten lassen sich besser beurteilen.
Weidegras ist kein pauschales Plus oder Minus. Es liefert je nach Jahreszeit und Bestand wertvolle Energie, Protein und Vitamine, schwankt aber erheblich. Im jungen Frühjahr kann es sehr energiereich sein, im Hochsommer oder bei Trockenheit deutlich anders zusammengesetzt. Weidezeit und Heumenge sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden, statt beides unabhängig voneinander zu planen.
Die ersten acht Monate: Kein Grund für Überversorgung
In den ersten zwei Dritteln der Trächtigkeit wächst der Fötus vergleichsweise langsam. Bei einer normalgewichtigen Stute mit hochwertigem Heu, passendem Weidegang und bedarfsgerechter Mineralversorgung ist oft kein großer Energieaufschlag nötig. Zu viel Kraftfutter in dieser Phase führt selten zu einem Vorteil, kann aber die Körperkondition ungünstig erhöhen.
Das heißt nicht, dass die Ration unverändert bleiben darf. Besonders die Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen verdient Aufmerksamkeit. Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod sind in kleinen Mengen notwendig, ihre sichere Dosierung hängt jedoch stark von Grundfutter, Region und weiteren Futtermitteln ab. Mehr ist hier keineswegs besser. Vor allem Selen und Jod sollten nie nach Gefühl ergänzt werden.
Ein auf Zuchtstuten abgestimmtes Mineralfutter kann sinnvoll sein, wenn die Grundration geprüft wurde und die Dosierung nachvollziehbar bleibt. Werden zusätzlich Salzleckstein, Algenprodukte, Kräutermischungen oder mehrere Ergänzungsfuttermittel gegeben, müssen deren Inhaltsstoffe in die Gesamtration einfließen. Doppelungen passieren schneller, als viele Futterpläne vermuten lassen.
Ab dem letzten Drittel steigen die Ansprüche deutlich
Etwa ab dem achten Trächtigkeitsmonat nimmt das Wachstum des ungeborenen Fohlens deutlich zu. Gleichzeitig soll die Stute Reserven für Geburt und Milchbildung aufbauen, ohne zu verfetten. Jetzt wächst der Bedarf an Energie, hochwertigem Protein sowie bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen.
Entscheidend ist die Qualität des Eiweißes. Der Körper benötigt nicht einfach möglichst viel Rohprotein, sondern ausreichend essenzielle Aminosäuren für Gewebeaufbau, Plazenta und spätere Milchproduktion. Reicht die Raufutteranalyse nicht aus, können passende Eiweißquellen die Ration ergänzen. Welche Menge sinnvoll ist, hängt vom Heu, der Stutengröße, der Körperkondition und dem individuellen Bedarf ab.
Zusätzliche Energie sollte schrittweise eingeführt werden. Mehrere kleine Mahlzeiten sind für den Verdauungstrakt meist günstiger als eine große Kraftfutterportion. Stärkereiche Rationen brauchen besondere Aufmerksamkeit: Große Mengen Getreide können die Dickdarmflora belasten und die Gefahr von Verdauungsstörungen erhöhen. Häufig lässt sich ein Teil der Energie über faserreiche Komponenten und gut verdauliche, stärkeärmere Futtermittel bereitstellen.
Futterumstellungen langsam gestalten
Eine abrupte Umstellung kurz vor dem Abfohlen ist ungünstig. Neue Komponenten sollten über mindestens eine Woche, besser über mehrere Tage hinweg schrittweise aufgebaut werden. So können Fressverhalten, Kotkonsistenz und Körperzustand beobachtet werden. Auch nach der Geburt ist keine radikale Rationsänderung sinnvoll, sofern kein tierärztlicher Grund besteht.
Laktation: Milchbildung verlangt Energie, Wasser und Eiweiß
Mit der Geburt beginnt die ernährungsphysiologisch forderndste Zeit. Eine säugende Stute produziert große Mengen Milch, besonders in den ersten Monaten. Ihr Bedarf an Energie, Protein, Calcium, Phosphor und Spurenelementen steigt deshalb deutlich an. Gleichzeitig muss das Fohlen Zugang zu einer guten Milchleistung erhalten, ohne dass die Stute rapide an Substanz verliert.
Frisches Wasser ist jetzt besonders wichtig. Tränkebecken müssen ausreichend Durchfluss haben, Eimer sauber sein und im Winter frostfrei bleiben. Salz unterstützt die bedarfsgerechte Wasseraufnahme, sofern die Stute jederzeit trinken kann. Beobachten Sie die Stute täglich: Frisst sie zügig, bleibt ihr Kot stabil, behält sie eine gute Oberlinie und nimmt das Fohlen regelmäßig zu?
Der Bedarf erreicht nicht bei jeder Stute denselben Höhepunkt. Große, sehr milchreiche Stuten, Erstlingsmütter, Stuten mit Zwillingsproblemen in der Vorgeschichte oder Tiere mit schwacher Körperkondition brauchen eine besonders engmaschige Begleitung. Das Fohlen liefert dabei wertvolle Hinweise: Ein wachsendes, lebhaftes Fohlen mit guter Entwicklung spricht meist für eine funktionierende Gesamtsituation. Bei Schwäche, auffälligem Wachstum oder Problemen beim Saugen gehört umgehend der Tierarzt dazu.
Mineralstoffe: Verhältnis zählt mehr als Etikettenvielfalt
Calcium und Phosphor sind für Stute und Fohlen zentral, doch ihre Versorgung muss im Verhältnis zur gesamten Ration stehen. Besonders Kleie, größere Mengen Getreide oder einzelne Futtermittel mit hohen Phosphorgehalten können das Gleichgewicht verschieben. Auch Kupfer und Zink sind für die Entwicklung des Fohlens relevant, aber nur im sicheren Rahmen einer vollständig berechneten Versorgung.
Fohlen und tragende Stuten reagieren empfindlicher auf Fehler, die bei einem ausgewachsenen Freizeitpferd lange unbemerkt bleiben können. Deshalb ist eine übersichtliche Ration besser als ein Sammelsurium gut gemeinter Zusätze. Ein hochwertiges Grundfutter, ein passendes Mineralfutter und bei Bedarf gezielt gewählte Energie- oder Eiweißträger schaffen mehr Klarheit als viele Einzelprodukte.
Was im Stallalltag kontrolliert werden sollte
Fütterung ist kein Plan, den man einmal schreibt und dann abhakt. Wiegen Sie die Raufuttermenge zumindest stichprobenartig, denn optisch gleiche Heunetze können sehr unterschiedliche Mengen enthalten. Prüfen Sie die Körperkondition der Stute alle zwei bis vier Wochen und passen Sie die Ration nicht erst an, wenn sie sichtbar abnimmt oder stark zunimmt.
Ebenso wichtig sind Ruhe am Fressplatz und ausreichend lange Fresszeiten. Rangniedrige Stuten benötigen die Chance, ihr Heu ungestört aufzunehmen. Bei Gruppenhaltung können getrennte Fressplätze, zeitweise Einzelversorgung oder engmaschige Kontrolle notwendig sein. Stress am Futterplatz lässt sich nicht immer durch eine höhere Futtermenge lösen.
Nach dem Absetzen des Fohlens sinkt der Bedarf der Stute wieder. Kraft- und Ergänzungsfutter sollten dann schrittweise reduziert und die Ration an Haltung, Arbeit und Körperkondition angepasst werden. So vermeiden Sie, dass eine Stute nach einer anstrengenden Laktation direkt in Übergewicht gerät.
Eine gute Zuchtstutenfütterung beginnt mit aufmerksamem Beobachten und bleibt flexibel. Wer Raufutter analysiert, Veränderungen rechtzeitig erkennt und die Ration mit Augenmaß an die jeweilige Phase anpasst, schafft für Stute und Fohlen eine verlässliche Grundlage - vom ersten Trächtigkeitsmonat bis weit über das Absetzen hinaus.