BERECHNE DIE RATION FÜR DEIN PFERD; AUCH MIT EIGENER RAUHFUTTERANALYSE

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Praxisbeispiel zum Futterplan bei Hufrehe

Praxisbeispiel zum Futterplan bei Hufrehe

Ein Pferd steht plötzlich fühlig, dreht nur widerwillig und verlagert sein Gewicht sichtbar nach hinten. Bei Hufrehe zählt jede Entscheidung - auch die am Futtertrog. Dieses Praxisbeispiel zum Futterplan bei Hufrehe zeigt, wie sich eine Ration nachvollziehbar anpassen lässt, ohne das Pferd hungern zu lassen oder mit gut gemeinten Einzelmaßnahmen zusätzliche Risiken zu schaffen.

Hufrehe ist immer ein veterinärmedizinischer Notfall. Die tierärztliche Untersuchung, eine wirksame Schmerztherapie, Hufbearbeitung und bei Bedarf weiterführende Diagnostik stehen an erster Stelle. Die Fütterung begleitet diese Maßnahmen. Sie kann Auslöser nicht rückgängig machen, hilft aber dabei, vermeidbare Belastungen aus der täglichen Ration zu nehmen und die Versorgung ruhig, strukturiert und bedarfsgerecht aufzubauen.

Ausgangslage im Praxisbeispiel

Nehmen wir eine achtjährige, leichtfuttrige Stute mit einem geschätzten Gewicht von 500 Kilogramm. Sie lebt im Offenstall, bewegt sich derzeit wegen der akuten Beschwerden kaum und hat deutliches Übergewicht. Im Frühjahr zeigt sie erste Reheanzeichen. Die tierärztliche Untersuchung veranlasst neben der Akutversorgung auch eine Abklärung möglicher Stoffwechselursachen, etwa einer Insulindysregulation oder eines PPID.

Vor der Umstellung bestand die Ration aus Heu zur freien Verfügung, mehreren Stunden Weidegang, einer großzügigen Portion Müsli und Karotten als Belohnung. Das ist kein ungewöhnlicher Fütterungsalltag. Gerade deshalb lohnt sich der genaue Blick: Mehrere scheinbar kleine Energie- und Zuckerquellen können sich summieren, während die tatsächlich gefressene Raufuttermenge oft unbekannt bleibt.

Ziel ist nicht, möglichst viel Futter zu streichen. Ziel ist eine verlässliche, zucker- und stärkearme Basis, die Kauzeit ermöglicht, Energiezufuhr kontrolliert und alle notwendigen Nährstoffe abdeckt.

Futterplan bei Hufrehe: zuerst rechnen, dann ändern

Der wichtigste Ausgangswert ist das Zielgewicht, nicht das aktuelle Gewicht. Im Beispiel wird die Stute langfristig bei etwa 470 Kilogramm eingeordnet. Für die Raufutterberechnung wird gemeinsam mit Tierarzt oder qualifizierter Fütterungsberatung eine Menge von mindestens 1,5 Prozent des Zielgewichts als Trockensubstanz festgelegt. Das entspricht 7,05 Kilogramm Trockensubstanz pro Tag.

Heu enthält je nach Lagerung und Schnitt häufig rund 85 Prozent Trockensubstanz. Um auf die berechnete Menge zu kommen, benötigt die Stute in diesem Beispiel etwa 8,3 Kilogramm Heu im gewogenen Zustand. Diese Zahl ist kein allgemeingültiges Rezept. Pferde mit starkem Übergewicht, Untergewicht, Zahnproblemen, Magenempfindlichkeit, hoher Arbeitsleistung oder besonderen Erkrankungen brauchen eine individuell angepasste Berechnung.

Entscheidend ist: Heu wird abgewogen, nicht geschätzt. Eine volle Schubkarre, ein Heunetz oder „zwei große Portionen“ sagen nichts Verlässliches über Kilogramm und Nährstoffgehalt aus. Erst die Waage macht aus einer Vermutung eine steuerbare Ration.

Die Heuanalyse schafft Sicherheit

Ob ein Heu für rehegefährdete Pferde passt, lässt sich von außen kaum beurteilen. Farbe, Duft und grobe Struktur sind wichtige Qualitätsmerkmale, ersetzen aber keine Laborwerte. Besonders relevant sind Zucker, Stärke, Energiegehalt sowie hygienische Parameter.

Als Orientierung wird bei empfindlichen Pferden häufig auf einen niedrigen Gehalt an Zucker und Stärke in der Gesamtration geachtet. Welcher Wert im Einzelfall sinnvoll ist, hängt jedoch vom Befund, der Vorgeschichte und der übrigen Fütterung ab. Eine Heuanalyse erlaubt es, Maßnahmen gezielt zu treffen, statt auf Verdacht drastisch zu kürzen.

Liegt der Zuckerwert des Heus zu hoch, kann zeitlich begrenztes Wässern eine Option sein. Das Heu sollte dafür in sauberem Wasser eingeweicht, anschließend sofort verfüttert und nicht erneut gelagert werden. Wässern kann Zucker reduzieren, verändert aber auch Mineralstoffgehalte und die Hygienesituation. Es ist daher eine Übergangsmaßnahme, kein Ersatz für geeignetes Grundfutter.

So sieht die Tagesration im Beispiel aus

Die rund 8,3 Kilogramm Heu werden nicht in zwei großen Mahlzeiten angeboten, sondern möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt. Engmaschige Netze, mehrere Fressplätze und ein Stallmanagement, das lange Fresspausen verhindert, unterstützen die natürliche Fressweise. Die passende Maschenweite muss zum Pferd, zum Heu und zur Fressgeschwindigkeit passen - zu kleine Maschen können Frust auslösen, zu große Netze erfüllen ihren Zweck nicht.

Weidegang entfällt in der akuten Phase im Beispiel zunächst vollständig. Das ist keine Strafe, sondern eine Sicherheitsmaßnahme. Gras ist kein einheitliches Futtermittel: Jahreszeit, Temperatur, Sonneneinstrahlung, Pflanzenbestand und Wachstumsphase beeinflussen den Gehalt an leicht verfügbaren Kohlenhydraten deutlich. Ob und wann später wieder kontrollierter Weidegang möglich ist, wird anhand der tierärztlichen Einschätzung, der Stoffwechsellage und des Hufzustands entschieden.

Müsli, Getreide, melassierte Futtermittel, Brot, Obst und Karotten werden aus der Akutration gestrichen. Auch kleine Belohnungen zählen. Wer Medikamente oder Pflege positiv verknüpfen möchte, kann nach einer geeigneten, zuckerarmen Alternative fragen oder die Belohnung über ruhige Zuwendung, Kratzen oder eine kurze Pause gestalten.

Damit aus einer reinen Heuration keine Nährstofflücke entsteht, wird die Versorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen separat geprüft. Gerade bei einer reduzierten Energiezufuhr ist es ein Fehler, Mineralfutter einfach mit wegzulassen. Wichtig ist eine bedarfsgerechte, möglichst zucker- und stärkearme Ergänzung, deren Menge zur tatsächlichen Raufutterration passt. Zusätzliche Energiequellen gehören nur dann in den Plan, wenn sie medizinisch und ernährungsphysiologisch begründet sind.

Was dieses Praxisbeispiel bewusst nicht pauschal beantwortet

Bei Hufrehe gibt es keinen Futterplan, der für jedes Pferd gleich gut funktioniert. Eine Stute mit deutlichem Übergewicht und Insulindysregulation braucht eine andere Strategie als ein älteres Pferd mit PPID, ein Pferd in Rekonvaleszenz oder ein Tier, dessen Hufrehe durch eine schwere Entzündung ausgelöst wurde.

Auch die Haltung verändert die Umsetzung. Im Einzelstall lässt sich Heu exakt zuteilen, im Offenstall sind Fressplätze, Futterklappen und getrennte Gruppen oft entscheidend. In einer Herde kann ein sehr langsamer Fresser sonst zu wenig bekommen, während ein schneller Fresser seine Portion und die der anderen aufnimmt. Die beste Ration auf Papier hilft nicht, wenn sie im Stallalltag nicht kontrollierbar ist.

Das Körpergewicht sollte regelmäßig mit einer Pferdewaage oder zumindest über ein standardisiertes Maßband, Fotos und den Body Condition Score kontrolliert werden. Eine Gewichtsabnahme muss langsam erfolgen. Rasche Restriktion kann Stoffwechsel und Wohlbefinden zusätzlich belasten. Parallel werden Pulsation, Wärme der Hufe, Bewegungsbild, Kotabsatz und Fressverhalten dokumentiert. Veränderungen gehören zeitnah in die Hand des behandelnden Tierarztes.

Bewegung erst nach tierärztlicher Freigabe

Der Wunsch, durch mehr Bewegung schnell Gewicht zu reduzieren, ist verständlich. Während einer akuten Hufrehe kann Bewegung jedoch schmerzhaft sein und die Hufstrukturen zusätzlich belasten. Ob Boxenruhe, ein kleiner weich eingestreuter Bereich oder später kontrollierte Bewegung sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt zusammen mit Hufbearbeitung oder Huforthopädie.

Wenn Bewegung wieder möglich ist, bleibt sie Teil eines Gesamtkonzepts - nicht der Ausgleich für eine unpassende Ration. Erst die Kombination aus geeignetem Raufutter, klaren Mengen, bedarfsgerechter Mikronährstoffversorgung und einem sicheren Bewegungsplan schafft eine tragfähige Grundlage.

Ein guter Futterplan bei Hufrehe beginnt daher nicht mit einem besonderen Zusatz, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Was frisst dieses Pferd tatsächlich, wie viel davon, und was sagt der Befund dazu? Wer diese Fragen sauber beantwortet, macht die tägliche Fütterung wieder klar - und gibt dem Pferd die ruhige, natürliche Basis, die es jetzt braucht.

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